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Abschied von Girou

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Abschied von Girou

Girou, ein wunderschöner, 13-jähriger, roter Kater kam ins Tierheim weil seine Besitzerin vor zwei Jahren ein Kind bekam und es nicht fertig brachte dem 2-jährigen Jungen beizubringen, dass er die Katze in Ruhe lassen muss. Ihre Aussage, er sei halt sehr lebhaft und sie wolle ihn nicht zurückbinden, kann ich nicht nachvollziehen.

Girou war stark abgemagert und hatte vor lauter Stress starken Durchfall. Im Tierheim wurde es natürlich auch nicht besser und er frass sehr schlecht und wurde noch dünner. Also nahm ich ihn mit nach Hause. Ich dachte er braucht halt jemanden der für ihn da ist und ev. spezielles Futter. Nun, er fügte sich wunderbar in mein Katzenrudel ein, es gab weder von ihm noch von meinen Katzen Stress oder Gefauche. Girou blieb zuerst in einem Zimmer um auszuprobieren ob ihm mit einer Spezialdiät und mit Tabletten geholfen werden kann. Zuerst sah es so aus, als würden die Tabletten wirken, er nahm ein klein bisschen zu (300 gr) und der Kot war nicht mehr ganz so wässerig sonder Kuhfladenartig, wie es meine Tierärztin so treffen nannte. Nach der Tablettenkur durfte er dann zu den anderen. Es war ihm sichtlich wohl und auch der Kot wurde zeitweise besser. Er war aber ein schwieriger Esser.
Mit der Zeit fand ich heraus, dass bei ihm rohes Rindshackfleisch stopfend wirkte, so bekam er zum Katzenfutter immer noch Hackfleisch beigemischt. Aber dann wurde es doch zusehends schlimmer. Zeitweise hatte er nur so dünnen Durchfall, dass ich schon das Schlimmste befürchtete. Dann aber fing sich der Körper wieder selber und es kamen wieder Phasen, da war alles fast normal. In der ganzen Zeit aber machte mir Girou mit seiner Sanftheit und Abgeklärtheit grosse Freude. Alte Katzen können einen ansehen, als wüssten sie alle Weisheiten der Welt. Manchmal erfreute ich mich einfach daran wie er mich anschaute und mein Streicheln genoss. Auch dies nicht ungestüm sondern ganz sanft. Er war auch ein besonders schöner Kater und ich hätte es so gern gesehen, wenn er nur ein Kilo zugenommen hätte, aber leider brachte ich das nicht zustande.

In den letzten vier Wochen begann er dann überall hin zupinkeln. Vor allem in die Schlafkörbli der Hundis. Meine Waschmaschine blieb kaum mehr stehen, den manchmal pinkelte er gleich nachdem ich die trockenen Inhalte wieder in die Körbe gelegt hatte, nochmals rein. So musste ich die Körbe wegräumen was mir wieder viel Unverständnis meiner Hundis einbrachte, die ihre Schlafkörbli suchten.
Letzte Woche pinkelte mir Girou auf die Sommerschuhe und ins Schuhblech. Es ist wohl war, dass ich gewusst habe, dass ich die Sommerschuhe versorgen kann, aber es heisst ja nicht, dass man mich auf diese Weise darauf aufmerksam machen musste. Das habe ich Girou auch gesagt und musste dann doch noch lachen. Ich sagte ihm auch, wenn er mir nun wenigstens ins leere Schuhblech pinkeln würde, dann könnte ich das viel einfacher ausleeren und putzen als die Hundkörbli oder sonst den Boden. Und siehe da, als hätte er es verstanden, hat er in den letzen Tagen nur noch in das Blech gepinkelt und das grosse Geschäft brav ins Katzenkistli. Letzte Woche nun änderte sich sein Verhalten, war er vorher viel für sich in einem anderen Zimmer oder sogar im oberen Stock zum Schlafen, suchte er nun meine Gesellschaft und auch die der anderen Katzen. Auch wollte er plötzlich bei mir im Bett schlafen, was er noch nie getan hat. Natürlich durfte er das auch, wusste ich doch, dass er gesundheitlich schwer angeschlagen war. Vor 3 Wochen ging ich dann nochmals zum Tierarzt, weil ich dachte, er hätte doch eine Krankheit, der man vielleicht mit Medikamenten zu Leibe rücken könnte. Also nochmals grosses Labor, Kotuntersuch ja sogar ein Röntgenbild aber es ergab keinen wirklich krankhaften Befund. Da ein Wert etwas erhöht, dort etwas zuviel Eiweiss, aber nichts was aussagen würde, warum er so eine schlechte Verdauung hat. Und immer wenn ich dachte er sei am Ende rappelte er sich wieder auf. Er frass auch immer gut und viel.

Am Freitag ging es ihm dann doch wieder sehr schlecht und er bekam einen unsicheren Gang, da seine Muskeln sehr geschwächt waren. Aber am Samstag schon schien es ihm wieder besser zu gehen. Aber heute kam dann doch der Kollaps. Nachdem er sich am morgen, nach einem mit gutem Appetit geleerten Katzennapf wieder in seine Schlafhöhle verzog, kam er bis am Nachmittag nicht mehr zum Vorschein. Ich ging ein paar Mal nachsehen wie es ihm geht und er schlief jedes Mal. Gegen 15.00h kam es mir aber doch komisch vor, dass er nicht zum fressen kam und da sah ich, dass er in dieser kurzen Zeit eine Art Zusammenbruch hatte. Sein ganzer Körber wurde von kleinen Zuckungen geschüttelt und als ich ihn auf den Arm nahm, sah ich dass er keine Kraft mehr hatte den Kopf zu heben. Trotzdem wollte er hinunter und taumelte mit letzter Kraft zum Katzenkistli um sich noch einmal zu entleeren. Ich musste ihn allerdings stützen sonst wäre er vor Schwäche in den Kot gesessen. Da sass ich nun und heulte vor Elend und wusste, es ist soweit ich muss Abschied nehmen. Zum Glück konnte ich innert einer Stunde zum Tierarzt, aber diese Stunde war hart. Er taumelte hinaus auf die Terrasse und legte sich in die Sonne, war aber sehr unruhig, kroch immer wieder an einen anderen Platz. Als ich ihn in die Transportkiste legte, war er sehr erschöpft.
So habe ich ihn also heute um 16.30h verloren. Ich frage mich natürlich immer noch, woran er wohl gelitten haben könnte, und ich denke, er hat die ganze Sache mit dem Kind und der Trennung von seiner Besitzerin, bei der er ja 11 Jahre das Paradies auf Erden hatte einfach nicht verkraftet hat. Ich hoffe einfach, dass ihm die Zeit hier bei mir mit seinen neuen Kollegen und mit seiner Terrasse doch noch gefallen hat, den mehr konnte ich für ihn nicht tun. Ich konnte ihm seine Besitzerin nicht ersetzen. Seine schönen, ruhigen Augen, sein sanfter Blick, wenn er mich anschaute werden mir sehr fehlen.

Elisabeth Frutiger
Comp. Doc-Date 22/09/2008

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