Tierheim Choli Saland


Direkt zum Seiteninhalt

Adieu Jonny

Choli-Welt > Choli Geschichten

Adieu lieber Jonny
Von Elisabeth Frutiger

Wir nannten sie die glorreichen Sieben.
Miki und Muki, Fridolin und Fino (jeder pechschwarz und verschmust. Fränzi die Schönheitskönigin (dreifarbige wunderschöne Perserkatze), Bimbo, der Dreibeiner, Silvester der Siammix mit den Knickohren und Johnny. Nun ist der letzte von unseren zutraulichen, aber wegen div. Beschwerden nicht vermittelbaren Katzen nicht mehr bei uns.

ZurückPlayWeiter

Der schöne Jonny

Der schöne Johnny, grau/weiss mit den schönsten grünen Augen die man sich vorstellen kann. Sie waren immer zusammen diese sieben, begrüssen jeden von uns wenn wir in die Katzenstube kamen. Bei Fremden waren ein paar dann eher scheu, nicht aber Johnny, nein der war einfach ein Traumkater. Sozial zu allen Büsi’s die ins Tierheim kamen und lieb zu allen Menschen. Warum er nie vermittelt wurde? Weil er eine chronische Nebenhöhlenvereiterung hatte und das war manchmal beim Niesen nicht so angenehm, und so eine Katze will halt leider niemand haben. Herr Gasser hat ihn regelmässig inhalieren lassen, was er sehr gut ertrug. Johnny ins Katzenkistli, Gefäss mit Inhalant davor, Decke drüber und Johnny sass still und vergnügt bis man ihn wieder befreite. Nur manchmal da drehte er sich, was ihm dann regelmässig die Rüge eintrug, man wolle nicht seinen Hintern bedampfen sondern seine Nase.

Die glorreichen Sieben

Leider starben dann aber in recht schneller Folge einer nach dem andern seiner Lieblingsbande, sodass er noch alleine übrig blieb von den glorreichen Sieben. Johnny wurde etwas trauriger und bekam einen schlimmen Durchfall. Was haben wir nicht alles versucht. X-mal war er beim Tierarzt, Kot- und Blutuntersuchungen noch und noch. Jedes Medikament gegen Durchfall das dem Tierarzt einfiel wurde Johnny verabreicht, aber nichts half. Der Durchfall wurde chronisch und war zeitweise wirklich sehr dünn. Langsam verlor der einst so schöne, wohlgenährte Kater nun auch an Gewicht. Aber immer noch war er ein aufgestellter und lieber Kerl. Nur ist eine Katze, die solchen Durchfall hat, dass es halt immer auch neben das Katzenklo und an die dahinterliegende Wand ging sehr schwer zu halten. Er hat ja immerhin ca. 25 Kistli zur Auswahl und die verschmutzte er fast alle. Also manchmal war man nur am Aufputzen für Johnny, zumal er ja mehrmals täglich aufs Kistli musste. Nun bekamen wir auch noch ein Diätfutter, aber wie geben, bei so vielen Katzen, Johnny kam also in die Krankenstation in eine Box. Aber wie traurig sass er da herum, allein ohne andere Katzen fühlte er sich sehr verloren und es ging ihm zusehends schlechter. Eine Entscheidung musste gefällt werden. Einschläfern, unseren Johnny, nein das brachten wir nicht übers Herz. Die Lösung. Johnny kommt zu mir nach Wildberg. Ich habe in meiner Wohnung einen schönen gesicherten Auslauf, Terrasse und ein Stück Wiese, dann gibt es bei mir nur 3 Kistli die man beschmutzen kann, ausserdem ist die Hälfte meiner Katzenschar sowieso aus dem Tierheim, ihm also nicht fremd und Johnny hat sich schon immer mit jeder Katze die je ins Tierheim kam vertragen. Sogar die garstigen unter ihnen liessen Johnny in Ruhe.

Der kalte Winter

So zog Johnny letzten Frühling zu mir. Und er war glücklich. Er lebte richtig auf, schloss Freundschaft mit einem gleichaltrigen Kater und fand auch die anderen Katzen ok. Und er machte sein Geschäft vorwiegend in die Wiese, was die Verschmutzung im Badezimmer ziemlich im Rahmen hielt. Johnny nahm sogar wieder etwas zu und ich freute mich so sehr für ihn. Er war aufgestellt und fröhlich und manchmal spielte er wie ein junger Kater, raste die Holzpfosten vom Hag rauf und runter, als wäre er noch keine 13 Jahre alt. Dann starb auch hier sein Kollege und Johnny trauerte wieder. Aber er frass immer noch gut, wurde nur etwas ruhiger.

Und dann kam dieser schrecklich kalte und schneereiche Winter. Obwohl ich mir solche Mühe gab immer einen Weg zur Wiese freizuschaufeln, ging er nicht mehr oft raus und es war ja auch kaum möglich immer genug zu schaufeln es schneite ja andauernd. Nun wurde es halt doch im Hause happiger, zumal Johnny nun immer dünneren Durchfall bekam, sodass er nun auch während dem Schlafen oder bei Springen auf den Katzenbaum oder sonstiges immer wieder Kot verlor. Ich war nun täglich am Putzen und am Waschen, meine Wohnung sah bald auch aus wie ein Tierheim, überall wo ich wusste, es könnte ihm was passieren lagen alte Frotteetücher ev. auch mal Zeitungen. Johnny ging natürlich nach wie vor schön aufs Kistli, nun bis zu 5 x pro Tag aber eben, das hiess sofort hin und alles wegputzen, was daneben und an der Wand landete. Er tat mir entsetzlich leid. Er aber war nach wie vor aufgestellt, verspielt und verschmust und frass gut. Schon von Weihnachten an, hoffte ich auf wärmeres Wetter und auf die Schneeschmelze, damit Johnny wieder in seinen geliebten Garten könnte, aber es wollte und wollte nicht werden. Ich hatte das Gefühl, Johnny wurde müder, er schlief nun enorm viel und wurde auch dünner.
Und dann am 11. Februar morgens kam Johnny mir entgegen mit totaler Schieflage und sein Köpfli hielt er ganz schief. Ich wusste sofort was passiert war, Johnny, der arme geplagte Schatz hatte auch noch einen Hirnschlag erlitten. Ich heulte nur noch. Aber ich hatte schon gehört, dass sich Katzen manchmal von einem Schlag auch wieder etwas erholten, also wartete ich noch einen Tag. Was für ein Anblick, trotz des torkelnden Gangs, bemühte sich Johnny aufs Katzenklo, ich musste ihn zwar dann wieder herausheben, weil er sich nicht mehr richtig orientieren konnte und er wollte auch unbedingt fressen, aber das ging auch nicht mehr gut. Am nächsten Morgen war klar, es wurde nicht besser eher schlimmer. Nur Johnny wollte einfach nicht aufgeben, statt sich still hinzulegen und zu ergeben, torkelte er mir auf Schritt und Tritt nach. Ein paar Stunden noch trug ich ihn weinend durch die Wohnung, stand mit ihm am Fenster und ging sogar auf die Terrasse raus aber ich wusste, es war so weit ich musste ihn gehen lassen. Nun war ich zu allem Elend auch noch total eingeschneit, die Ausfahrt zugepflastert vom Schneepflug, das Auto zentimeterdick unter Schnee begraben, es war kein Fortkommen. Gott sei Dank hat Herr Gasser einen guten wintertauglichen Wagen, so kam er von Saland zu mir um Johnny abzuholen und ihm zum Tierarzt zu bringen. Was für ein Moment ihn da so davonfahren zu sehen, es war schrecklich. Und obwohl in meiner Wohnung ja noch mehr Katzen leben und ich alle über alles liebe, kam mir die Wohnung irgendwie leer vor. Johnny fehlt mir immer noch sehr. Er war so ein besonderer, toller Kerl, was hätte ich drum gegeben, dass er noch einen Frühling und Sommer auf der Wiese herumspringen und die Katzenbäume hinauf und hinter rasen könnte. Ich hoffe nur er ist jetzt wieder zusammen mit seiner Lieblingsband und die glorreichen Sieben machen den Katzenhimmel unsicher mit ihren Spässen. Leb wohl, liebster Johnny, grüss mir all unsere Katzen und Hunde die vor Dir diesen Weg gegangen sind.

(März 2009)

Willkommen | Choli-Welt | Vermittlungen | Ihre Hilfe | Kontakt | Gästebuch | Links | Sitemap


Zurück zum Seiteninhalt | Zurück zum Hauptmenü