Tierheim Choli Saland


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Putz Nr. 2

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Nicht immer geht es gut
Von Elisabeth Frutiger

Vor ca. 8 Wochen fiel mir auf dem Bauernhof wo ich lebe eine Katze auf, die stark hinkte. Bei längerem Hinsehen, sah ich einen Abszess auf der Flanke, gross wie ein Tennisball. Als ich diesen näher untersuchte, sah ich, dass er bereits offen, vereitert und entzündet war. Da ich zufällig auf dem Weg zum Tierarzt war mit einer meiner Katzen, nahm ich die Katze gleich mit.

Putz Nr. 2

Ich selber hatte eine Katze dabei, welche mir zugelaufen war und die ich Putz nenne, weil er so ein putziges Kerlchen ist. Nun sagte mit die Bäuerin, dass diese kranke Katze auch Putz heisse, also wurde er Putz Nr. 2. Nach einer Narkose wurde der Abszess gesäubert und mit einer Drainage versehen. Für eine Woche blieb er beim Tierarzt und die ersten zwei Tage waren sehr kritisch, aber dann war er über den Berg und liess auch die täglichen Spülungen ohne murren und fast ohne fauchen über sich ergehen. Da ich berufstätig bin und Putz noch länger Spülungen brauchte, war Herr Gasser so nett und nahm Putz Nr. 2 zu sich um ihn weiterzubehandeln. Und Putz Nr. 2 wurde unser Liebling. Zwar fiel uns auf, dass er beim Atmen so ein bisschen schnarchte oder schnorchelte, wie immer man das Geräusch nennen will, aber eigentlich nur, wenn er sich aufregte oder wenn er ganz verrückte schnurrte, weil er es so liebte geschmust zu werden. Von dem anfänglich misstrauischen Kater war nichts mehr übrig, Er schmuste ausgiebig und genoss es sichtlich mal essen zu bekommen ohne mit den anderen Bauernhofkatzen darum streiten zu müssen.

Die Wunde verheilte wunderbar und wir überlegten uns ob es wohl gut wäre, ihn wieder auf den Hof zurückzubringen, da er bereits 18 (!!) Jahre alt war und keine Zähne mehr hatte, wir machten uns Sorgen, dass er sich nicht mehr gegen die jüngeren und agressiven, unkastrierten Kater wehren könnte und wieder so zugerichtet würde. Ausserdem schien er keine Sehnsucht nach draussen zu verspüren, er ging nicht mal zum offenen Fenster. Aber Herr Gasser viel auf, das diese lauten Atemgeräusche zunahmen und eigentlich jetzt immer da waren, auch wenn Putz ganz ruhig lag. So brachte ich Putz vorletzten Freitag zum Röntgen um festzustellen, woher das Geräusch kommt. Die Aufnahme brachte keinen wirklichen Aufschluss, die Lungen jedenfalls waren frei. Aber auch der Aerztin fiel auf, dass das Geräusch viel stärker wurde und sie befürchtete einen Tumor oder bestenfalls einen Polypen in den oberen Atemwegen. Wir fanden, dass ein Tier, dass so gekämpft hatte und mit einer so bösen Wunde fertig geworden war, es einfach wert ist, dass man alles abklärt. Mit gemischten Gefühlen brachten wir ihn letzten Mittwoch zu einer Spezialuntersuchung der oberen Atemwege.
Dann kam der Anruf des Spezialisten. Putz hatte zwischen Luft- und Speiseröhre einen Tumor. Inoperabel und auch mit Medikamenten nicht mehr behandelbar. Tumor in der Hals und Atemwegsgegend, sagte uns der Arzt, würden sehr schnell wachsen und so würde unser Putz innert Tagen oder Wochen mit Atemnot und Schluckbeschwerden zu kämpfen haben. Während des Anrufes lag Putz noch in Narkose. Herr Gasser und ich berieten uns und mussten uns schweren Herzens eingestehen, dass es wohl besser sei, ihn jetzt gleich für immer einschlafen zu lassen. Zu lieb war er uns geworden, als dass wir ihn hätten leiden lassen wollen. So mussten wir ihn gehen lassen, den lieben Putz der in seinen letzten Tagen noch erlebte, wie es ist, umhegt und geschmust zu werden.

Und doch, auch diese Geschichte ist hier nicht ganz zu Ende. Am Sonntag, drei Tage vor dem Tod von Putz sagte meine Bäuerin, ihre Katze (die letzte, die wir noch nicht kastriert hatten, weil wir sie nicht erwischt haben) hätte drei Junge, habe aber vermutlich zuwenig Milch, sie komme nur unregelmässig heim und die Kleinen hätten grossen Hunger. Also eingepackt und ins Tierheim, wo wir die drei mit Schoppenfläschli zu ernähren versuchten. Unterdessen trug ich der Bäuerin auf, unbedingt die Mutter einzufangen (von ihr liess sie sich meistens streicheln und anfassen) sobald sie heimkomme, denn wir hatten Angst, dass die kleinen Kätzchen (erst 3 Wochen alt) nicht kräftig genug wären um mit dem Schoppen aufgezogen zu werden. Und welch ein Glück, noch vor dem Abend konnte die Mutter eingefangen werden und wir führten die Familie wieder zusammen. Nun, da Peppina (so heisst die Mutter) stressfrei und mit genügend Wärme und Nahrung versehen sich ungestört ihren Kleinen widmen konnte, gab es kein Halten mehr. Es wurde geputzt und geleckt und gemümmelt und unserer Waage zufolge, hat die Mutter jetzt genug Milch, die Kleinen nehmen täglich zu und machen einen sehr gesunden Eindruck.

Warum ich diese Geschichte erzähle? Weil Peppina die Tochter von Putz Nr. 2 ist. So nahe liegen Tot und Leben beieinander.

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